Skip to content

Gespräch am Berg

Wir schwerhörigen Menschen neigen ja dazu, uns so gewisse Strategien zuzulegen, um das Viele, das wir mitunter nicht verstehen, ein wenig zu kaschieren (vgl. auch Taktiken). Die Taktik, der ich heute begegnet bin, habe ich allerdings noch nicht beschrieben.

Heute traf ich eine alte Frau am Berg. Sie kam gerade aus einem Bauernhaus und war in Plauderlaune. Wir unterhielten uns ein wenig und irgendwann im Gespräch fragte ich sie, wo sie früher gelebt hat. Darauf antwortete sie: „Das weiß ich nicht.“

Dement erschien sie mir nicht. Ich gehe davon aus, dass es ihre Taktik ist auf etwas, das sie nicht versteht mit diesem Satz zu antworten.

Ich stelle mir gerade vor, wie mein Chef reagiert, wenn ich auf seine Fragen mit: „Das weiß ich nicht.“ antwortete ;).

Also eine nette Strategie einer schon sehr betagten Frau und eher weniger empfehlenswert.

P.S. Ich möchte nicht wissen, wie häufig es vorkommt, dass ich eine völlig falsche Antwort gebe, weil ich glaube, etwas richtig verstanden zu haben. Meine Reisebegleitung meint gerade, dass es nicht allzu oft vorkommt. Puh, da bin ich aber beruhigt!

P.P.S. Eine zum Thema passende Anekdote, über die ich mich immer wieder köstlich amüsiere, ist hier nachzulesen: Sprachliche Missverständnisse.

 

Schutz oder Glück

In der letzten Zeit – und die war ganz schön lange – war er ruhig, der Meniere.

Am Freitag dann wieder der erste „Schlag“ im Kopf in Verbindung mit einem kurzen aber heftigen Drehschwindel. Erneut ein Schockerleben für mich. Ich schaffe es – was aufgrund meiner körperlichen Beeinträchtigungen verwunderlich ist – mich blitzschnell auf den Boden zu setzen. Nach dem Schock folgt der seelische Schmerz. Vorbei ist es wieder mit der Hoffnung auf mehr Selbständigkeit, indem ich wieder die Verantwortung für das Lenken eines Autos oder auch eines motorisierten Zweirads übernehmen kann.

Am Montag in der Früh – ich ahnte es aufgrund der Lärmempfindlichkeit schon – der zweite Drehschwindelanfall. Diesmal kommt er langsam, d.h. er baut sich innerhalb von einigen wenigen Sekunden auf und nicht innerhalb des Bruchteils einer Sekunde. Die Schnelligkeit des auftretenden Drehschwindels, gepaart mit der Heftigkeit des Drehens, können dieses Schlag-Gefühl erzeugen. Unmittelbar danach rufe ich bei meinem HNO-Arzt an – in voller  Hoffnung, dass ich vielleicht eine Mittelohrentzündung haben könnte und dieser vernichtende Spuk rasch wieder ein Ende hat. Der HNO-Arzt meint jedoch nach eingehender Untersuchung: eines der vielen Gesichter des Menieres. Auf meinen Hinweis, dass er selber schon mal seine Diagnose infrage stellte, reagierte er nicht.

Heute, es ist Mittwoch, bin ich im Stiegenhaus. Ich möchte die Türe aufsperren. Auf einmal bekomme ich eine Schlag, der mich nach links wegreißt. Ich kann gerade noch mit beiden Händen an den Türrahmen fassen, um nicht umzufallen. Die Kette mit den Engeln, die links vom Türstock hängt, kracht auf den Boden. Ich atme heftig und laut ein und aus und ein und aus und… und halte mich fest. Einen Moment lang denke ich mir, ich rufe laut um Hilfe, lasse es aber. Ich bleibe stehen, an den Türstock geklammert, bis ich fähig bin auf unsicheren Beinen an der Wand entlang in die Wohnung zu gelangen.

Den beiden als Schlag empfundenen Drehschwindelattacken ging bereits ein Schwindel voraus. Ein sicheres Anzeichen ist das jedoch nicht, denn seit Neuesten habe ich auf einmal einen stark schwankenden Blutdruck – von normal bis an der Grenze zu Hypertonie III. Mir ist demzufolge des öfteren nicht ganz wohl. Auffallend ist eine phasenweise  Lärmempfindlichkeit wie nie zuvor. Da kann mitunter ein Geschirrgeklapper schon ausreichen um angespannt wie ein Drahtseil zu sein. Meine Gehörleistung ist unverändert.

Soviel zu den Meniere(?)-Fakten.

In meinem Kopf kreisen viele Gedanken und Fragen unruhig und ein wenig wirr herum. Die Zuversicht ist mir abhanden gekommen – für den Moment. Ich bin sehr traurig und lasse das Fühlen auch zu. Ich habe auch Angst, dass ich das nächste Mal nichts zum Anhalten finde. Diese Angst ist größer geworden.

Für heute verabschiede ich mich mal – ausnahmsweise ohne zuversichtliche oder Zuversicht gebende Sätze. Auch das ist eine Seite dieser Krankheit, die gezeigt werden will, um nicht den selber betroffenen LeserInnen das Gefühl zu geben, dass es jemanden gibt, die stärker als sie selbst ist. Nein es ist völlig normal und okay sich auch mal hoffnungslos, traurig und verzweifelt zu fühlen. Wenn es zum Dauerzustand wird, soll natürlich über Unterstützung nachgedacht werden.

Uns allen wünsche ich für heute (göttlichen) Schutz.

MM-Jahrestag

Kürzlich hatte ich wohl den 5ten Morbus Menière Jahrestag. Es ist nicht so, dass es was zu feiern gäbe….

Es ist vielmehr so, dass ich in den letzten Tagen immer wieder unruhig geworden bin. Mir war allerdings nicht klar, warum das so ist.

Heute kam ich auf die Idee, dass der erste MM-Anfall ja im März war. Um genau zu sein, war er in der ersten Stunde vom 5. März. Es war der „erste“ MM-Anfall nach rd. 20 Jahren.

Was ich völlig vergessen habe: Ich habe eine Woche vor dem Anfall ein paar Zeilen im Blog geschrieben, die ich allerdings als Entwurf liegen ließ und dann erst am Morgen nach dem Anfall veröffentlicht habe:

Drehschwindel aus dem Nichts

Übelkeit erhebt sich unmittelbar

Menière ich verschließe die Türe vor dir

Ich verbarrikadiere sie

Du bist ein ungebetener Gast

Die Schwerhörigkeit reicht aus

Punkt

Damals – also eine Woche vor dem „ersten“ Anfall im März 2012 – hatte ich wohl schon einen Vorboten vom folgenden schweren MM-Anfall bei mir zu Besuch. Daraus entstand wohl auch eine Vorausahnung, dass es sich tatsächlich um Morbus Menière handelt, denn als rd. 20jährige Frau nahm ich diese Verdachtsdiagnose MM gar nicht ernst. Es gab kein Internet und ich hatte infolge auch keine Schwindelanfälle mehr und somit vergaß ich die ganze Geschichte über die Jahre hinweg auch wieder. Die unzähligen Hörstürze in den Jahren bis 2012 brachte ich damit nicht in Verbindung. Diese Erkenntnis hatte ich erst in den letzten beiden Jahren.

Das Schreiben dieser Zeilen ermüdet mich. Ich weiß nicht mal, ob ich alles klar formuliert habe, lasse den Text aber mal so stehen.

So und jetzt denke ich wieder an freudvolleres, energiegebendes :)!

 

Tag des Hörens

Jedes Jahr am 03.03 ist der Tag des Hörens. Ob er deswegen genau an diesem Tag ist, weil die Zahl 3 an ein Ohr erinnert, ist mir nicht bekannt.

Ich könnte jetzt darüber schreiben, wie wichtig es ist, seine Ohren zu schützen, vor lauter Musik, vor Lärmspitzen im Verkehr, etc… Auch Schwerhörigenstatistiken sind hochinteressant. Nein das überlasse ich heute anderen. Eine einfache Eingabe bei Google zeigt viele interessante Suchergebnisse.

Mir stellt sich vielmehr die Frage, warum dieser Tag, Tag des Hörens und nicht Tag des Verstehens heißt? Letztendlich geht es „nur“ ums Verstehen, denn Hören tun die meisten von uns, bloß verstehen wir mitunter sehr wenig vom Gesagten?

Dazu ein bereits mehrmals im Blog geschriebenes Zitat:

Hören „macht Verstehen leicht …
Du musst überhaupt nichts tun,
hast keinerlei Anstrengung nötig,
selbst die geringe nicht, deine Augen zu heben,
um zu sehen –
die Töne kommen einfach zu dir.“

(Greller Blitz und stummer Donner, 1987 zitiert in „Auswirkungen einer Schwerhörigkeit auf die Psyche“ von Almuth, Schreiber)

Im Vergleich dazu lässt sich die Schwerhörigkeit so nachvollziehbar beschreiben:

Stellen dir vor, du sitzt in einer englischsprachigen Gesprächsrunde oder, falls du französisch, italienisch, etc. weniger gut kannst, in dieser.

Deine Sprachkenntnisse reichen aus, um einzelne Wörter zu verstehen. Das Verstandene genügen nicht, um den Sinn des Gesagten erfassen zu können. Dann fragt dich jemand etwas….

Dieser wichtige Tag müsste also „Tag des Verstehens heißen“.

Heute in der Früh kam mir wieder in den Sinn, dass ich als Jugendliche auf viele meiner Hefte und auf sonstige Gegenstände „Lebe und Verstehe“ geschrieben habe. Der Satz klingt ja fast wie ein Omen. Damals wusste ich noch nicht, wie sehr mich dieses Verstehen mal beschäftigen und herausfordern wird.

Ich hätte damals wohl besser all diese Gegenstände mit folgen Worten zu verziert:

liebelachetanze

In diesem Sinne, habt einen schönen Tag, liebe LeserInnen :)!

Ruhe und Entspannung – bloß wie?

Ich mag Fragen von LeserInnen, vor allem all jene, bei denen ich glaube, dass sie für die Heilung von zentraler Bedeutung sind.

So auch die Frage von Angelika:

(…) Wie ja schnell festzustellen ist, bist du sehr aktiv, was mich jedoch darin bewegt ist, dass du auch noch sehr viele Anfälle bekommst. Wie ist es denn mit Ruhe, hast du das auch schon mal ausprobiert. Weißt du so mit viel Entspannung und Buch lesen. Ich weiß ja jeder geht anders mit um und du bist ja eher ein aktiver Mensch.
Würde mich sehr darüber freuen wenn du mir hierzu einen kleinen Beitrag schreiben könntest (…).

Ein Danke an dich, liebe Angelika, für deine Frage und dein wertschätzendes Kommentar. Weiterlesen …

Was mir grad so in den Sinn kommt ;)

Meine Ohren hören derzeit wieder mal viel zu viel weniger erfreuliches. Das Wort „Mist“ ist mir zuerst in den Sinn gekommen. Ich kann gar nicht anders als das Wort Mist gegen „weniger erfreuliches“ auszutauschen. Zumindest hier im Blog, denn ich will ihn ja eher als Informations- und Kraftquelle führen und gesehen wissen. Als in positiver Formulierung trainierte ehemals tätige Sozialarbeiterin fällt mir jede negative und energieraubende Formulierung sofort auf. Als hochsensible Frau schmerzt mich jede negative Energie, ob sie sprachlich zu mir kommt oder energetisch. Vielleicht lebe ich deswegen auch bedeutend zurückgezogener als noch vor ein paar Jahren.

Zurück zum Beginn ;). Neben dem Hören von weniger Erfreulichem (was mitunter auch an einer mangelnden Fähigkeit liegt, das Positive dahinter zu sehen oder gelassen zu sein) habe ich noch viel zu viel Arbeit und leider auch wieder vermehrt Schmerzen. Das stresst mich und meine Ohren meinten heute schon am Vormittag, ich solle ein wenig kürzer treten. Danke liebe Ohren!

Mich zu entspannen ging heute leicht. Ich las aufgrund eines Kommentars hier im Blog den dazugehörigen Artikel nochmal. Ich tauchte in die Welt der Morbus Menière-Schlagattacken ein und mir wurde wieder einmal mehr oder vielmehr tiefergehender bewusst, dass es Zeit ist einzuatmen, auszuatmen und loszulassen und im dienstlichen Kontext ein wenig kürzer zu treten….

Danke für deinen Kommentar Udo und danke dafür dass mir mein Blog auch Besinnung sein kann und mein Herz weit macht. Es fühlt sich so wohltuend an ❤ ….

Zentangelherz

Apropos Danken. Derzeit schreibe ich wieder mal fast täglich 3 Sätze darüber, wofür ich dankbar bin oder worüber ich mich freue. Das Leben ist ein Spiel mit den Energien und diese kleine Aktivität lenkt die Energie auf die Dankbarkeit und die Freude. Beide zusammen bringen Glück :)!

Viele Glücksmomente für euch „meine“ lieben LeserInnen.

24 Telefonate in 4 Stunden

… habe ich heute erledigt.

Sie haben mich auch ganz schön – nein nicht erledigt – aber gefordert!

Neben den laufenden Telefonaten habe ich noch ein paar Mails geschrieben, Listen geändert, einen aufsteigenden Unmut wahrgenommen. Ich glaub das war’s.

Nein ich habe keinen neuen Job als Telefonistin begonnen. Ich habe lediglich die für heute anstehende Arbeit gemacht. Bei uns ist gerade Hochsaison.

24 Telefonate sind für mich als Schwerhörige sehr fordernd.

Mein Tinnitus meint dies auch und glaubt bekräftigend brüllen zu müssen. Er ist für mich ein Hinweis darauf, dass es etwas viel war und ich mir jetzt gleich ein gemütliches Mittagessen und anschließend einen wohltuenden Nachmittag gönnen werde. Dann überhöre ich ihn auch schon wieder – die einzige mir bekannte und sehr wirksame Lösungsmöglichkeit für unser gemeinsames Leben. Er ist ein treuer Gefährte und nimmt seine Aufgabe, mich darauf hinzuweisen, gut für mich zu sorgen, sehr ernst.

Diesen Telefoniermarathon möglich gemacht hat, mein Telefonclip von GN Resound. Ohne dieses Gerät, das mir das Gesprochene direkt in die Hörgeräte überträgt, könnte ich vieles nicht verstehen und keinesfalls so viele und lange dienstliche Telefonate führen.

Ich bin dankbar für diese Unterstützung – meinem Hörgeräteakustiker, dass er mich so gut beraten hat, GN Resound für ihr exzellentes Produkt und auch dafür, dass ich in der Lage bin, mir das leisten zu können, arbeiten zu können.

2016_01_12

Ich habe mir vorgenommen, jeden Tag im Advent ein Herz zu tangeln. Das ist eine Art Meditation. Das gestrige vom ersten Advent füge ich euch hier an. Möge es euer Herz erwärmen.