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24 Telefonate in 4 Stunden

… habe ich heute erledigt.

Sie haben mich auch ganz schön – nein nicht erledigt – aber gefordert!

Neben den laufenden Telefonaten habe ich noch ein paar Mails geschrieben, Listen geändert, einen aufsteigenden Unmut wahrgenommen. Ich glaub das war’s.

Nein ich habe keinen neuen Job als Telefonistin begonnen. Ich habe lediglich die für heute anstehende Arbeit gemacht. Bei uns ist gerade Hochsaison.

24 Telefonate sind für mich als Schwerhörige sehr fordernd.

Mein Tinnitus meint dies auch und glaubt bekräftigend brüllen zu müssen. Er ist für mich ein Hinweis darauf, dass es etwas viel war und ich mir jetzt gleich ein gemütliches Mittagessen und anschließend einen wohltuenden Nachmittag gönnen werde. Dann überhöre ich ihn auch schon wieder – die einzige mir bekannte und sehr wirksame Lösungsmöglichkeit für unser gemeinsames Leben. Er ist ein treuer Gefährte und nimmt seine Aufgabe, mich darauf hinzuweisen, gut für mich zu sorgen, sehr ernst.

Diesen Telefoniermarathon möglich gemacht hat, mein Telefonclip von GN Resound. Ohne dieses Gerät, das mir das Gesprochene direkt in die Hörgeräte überträgt, könnte ich vieles nicht verstehen und keinesfalls so viele und lange dienstliche Telefonate führen.

Ich bin dankbar für diese Unterstützung – meinem Hörgeräteakustiker, dass er mich so gut beraten hat, GN Resound für ihr exzellentes Produkt und auch dafür, dass ich in der Lage bin, mir das leisten zu können, arbeiten zu können.

2016_01_12

Ich habe mir vorgenommen, jeden Tag im Advent ein Herz zu tangeln. Das ist eine Art Meditation. Das gestrige vom ersten Advent füge ich euch hier an. Möge es euer Herz erwärmen.

 

Rollator und Gehstock bei Menière

„Rollator bei Menière“ – mit dieser Suchanfrage kam heute jemand auf meinen Blog.

Fakt ist, dass jeder Menière-Anfall ein massiver und mitunter auch länger andauernder Angriff auf das Gleichgewichtsorgan ist (auch nachzulesen unter „Mein Gleichgewicht …„), bei dem es über die Jahre zur Verringerung der Gangsicherheit kommt. Das ist außerordentlich positiv formuliert.

rollator

Der Suchanfrage will ich im Sinne einer Wissens- oder Erfahrungsweitergabe hinzufügen, dass es an Morbus Menière erkrankte Menschen gibt, die einen Rollator verwenden. Ich selber verwendete ihn nur einmal in einer Nacht im Krankenhaus nach einem schlimmen Anfall. Ebenso gibt es vereinzelt MMler, die einen Gehstock beim Gehen zu Hilfe nehmen.

Es gab eine Zeit, in der ich mir alle Gehstöcke in Geschäftsauslagen genauer angesehen habe. Es gibt wirklich sehr schöne! Manche haben sogar fast eine erotische Komponente. Da haben sich wohl alte Filme in mir gespeichert oder das Stück, das Jean Cocteau für Edith Piaf geschrieben hat und das ich in einem Schauspielseminar zu einer Zeit gespielt habe, in der ich Hals über Kopf verliebt war. Aber das ist wohl eine andere Geschichte…

walkingschatten

Völlig unerotisch will ich noch aus meiner persönlichen Geschichte anführen, dass ich bislang lediglich einmal in der Stadt und des öfteren beim Spazierengehen im Wald zwei Walkingstöcke wegen dem Menière verwendet habe. Sie gaben mir Sicherheit, aber nicht so viel, dass ich sie dauerhaft verwenden wollte. Zudem fühlte ich mich unwohl damit. Das war niemals mein Bild von der Zukunft oder damaligen Gegenwart und es hatte für mich den bitteren Geschmack der Kapitulation.

Der Königsweg ist für mich ein – falls erforderlich auch tägliches – Training des Gleichgewichts, nachzulesen hier: MM-Reha | Tag 30 – Gleichgewichtsübungen.

Hörgeräte im Supermarkt

Auf meinem Arbeitsweg liegt ein Supermarkt. Da (leider nicht nur) unser Wasserspender einer größeren Sparwelle zum Opfer gefallen ist und mir das Leitungswasser vor Ort so rein gar nicht schmeckt, bin ich zum Penny rein, um mir eine Wasserflasche zu kaufen.

Bei der Kassa sah ich dann zwei Packungen Hörgeräte.

Nein das ist kein Märchen! Das ist die pure Realität! Ich glaubte meinen Augen nicht zu trauen.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass eine schwerhörige Person es schafft, auf die Dienste eines Hörgeräteakustikers zu verzichten und sich damit wohl fühlt, wenn alle Frequenzbereiche gleichermaßen verstärkt werden.

Ich persönlich halte es auch für gefährlich, dass noch intakte Frequenzbereiche durch eine zu hohe Schallverstärkung geschädigt werden. Man bedenke auch, dass Nebengeräusche gleichermaßen verstärkt werden usw. usf.

Hier das Beweisfoto, das ich als erforderlich erachte, da dieser Artikel wohl eher nach einem Märchen oder einer Satire klingt. Dem ist nicht so:

Update: eine Recherche ergab, dass sie in vielen andern Geschäften auch erhältlich sind – alle zum Preis von zwei Mittagessen mit Getränken. Zudem gibt es auch von anderen Anbietern viele Hörverstärker auf ähnlichem Niveau.

Blogzeit?

In der letzten Zeit ist es hier etwas ruhiger geworden. Damit meine ich nicht die Seitenaufrufe. Die Anzahl an Informationssuchenden ist unverändert hoch. Meine Beiträge sind vielmehr weniger geworden.

Woran das liegt? Gewiss daran, dass Wesentliches geschrieben wurde und manches ein mehr desselben wäre.

So kann ich z.B. schreiben, dass ich keinen Wecker mehr höre oder auch, dass ich mich im Urlaub geschreckt habe, als ich beide Hörgeräte nicht trug und das Verstehen bei einem Meter Entfernung nicht mehr möglich war. Vor einigen Monaten oder ist das doch länger her (?) ging das noch. Ich weiß nicht, ob ich zum Arzt gehen und einen Hörtest machen soll. Vielleicht habe ich auch nur eine Verschlechterung „verschlafen“, d.h. die Hörgeräte wurden zwar umgestellt, aber ich habe das Sprachverstehen aus einem Meter Entfernung nicht mehr getestet? Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass ich über das Wecker-Thema bereits einen Beitrag geschrieben habe und – nach der Suche in meinem Blog – nun auch, dass ich das Entfernungsthema ebenso bereits reflektiert habe.

Ich kann auch schreiben, dass ich heute eine Kollegin der Partneruniversität, die ich nur einmal im Jahr sehe, wieder nicht gut verstanden habe – auch trotz Nachfragen nicht und mir das sehr unangenehm war und ist. Es gibt Situationen, in denen ist jedes Bemühen umsonst. Auch daran hat sich nichts geändert, obwohl meine Fähigkeiten mit meiner Behinderung umzugehen ja sehr hoch sind.

Ich kann über eine weitere Anekdote von heute morgen schreiben. Ich habe mit einer Freundin telefoniert und erzählte ihr, dass ich eine Gelse im Raum habe und sie nicht sehe. Sie meinte darauf hin, dass ich sie nur höre. Das fand ich witzig, denn ich höre Gelsen schon seit Jahren nicht mehr und kann mich ihnen nur zum Verschmausen hingeben, wenn ich sie nicht sehe und finde….. Aber auch darüber habe ich bereits mal geschrieben und es wäre ein mehr desselben.

Manche, vor allem nicht Stamm-LeserInnen des Blogs, könnten nun aufgrund der drei angeführten Beispiele annehmen, dass ich frustriert sei. Dem ist nicht so. Manchmal bin ich es natürlich, manchmal auch in Sorge, meist jedoch gelassen oder vielmehr annehmend und zuversichtlich. All das ist nicht neu und an vielen Stellen nachzulesen.

Gewiss verändert hat sich, dass ich wohl etwas bewusster oder gekonnter entscheide, wohin ich meine Energien lenke und da sind meine Behinderung sowie meine Erfahrungen mit dem Morbus Menière halt Themen, die mir schneller mal Kraft kosten als Kraft, Freude und Wohlbefinden bringen.

Vielleicht ist einfach auch nur nicht die Zeit für großartige diesbezügliche Reflexionen – zumal sich mein Leben ja nicht nur um die Hörbehinderung und Krankheit Morbus Menière dreht, sondern parallell dazu auch zahlreiche andere Themen und Herausforderungen existieren.

Zudem habe ich vor geraumer Zeit entschieden, so zu leben, als ob ich gesund wäre…. Das war und ist eine Entscheidung, die ich zu einer meiner größten persönlichen Fortschritte in Bezug auf den Umgang mit der Krankheit Morbus Menière zähle und für die ich sehr dankbar bin. Das Damoklesschwert namens Menière schwingt nicht mehr permanent und wild über meinen Kopf. Ich habe es mit der Entscheidung zu leben, als ob ich gesund wäre, eigenhändig und bewusst Verantwortung für meine Heilung (vom Menière, denn die Hörbehinderung ist nicht heilbar) übernehmend, abmontiert. Das Glück (?) ist mir dabei auch etwas beigestanden, in dem sich die Anfallshäufigkeit reduziert hat. Ich hoffe, es bleibt so. Der Menière ist ja unberechenbar in seinen Verläufen. Die getroffene Entscheidung verschafft mir Raum für Neues, derzeit u.a. für viel Bewegung und Gewichtsabnahme. Beides war und ist dringend erforderlich, denn die damit verbundene Energie gibt mir einen Schwung und eine Lebendigkeit, die mich stärkt, was nach dem Jahr der kaum vorhandenen Gehfähigkeit sehr wohltuend ist. Allerdings könnte ich ja auch vermehrt darüber schreiben, denn der Blog heißt ja mittlerweile „Mein Heilungsweg“ und da gäbe es schon über das eine oder andere neue Thema zu berichten :)!

Eine Blogschreiberin meinte letztens, dass die Zeit des Blogschreibens für sie vorbei ist.

Wie das bei mir ist, weiß ich noch nicht.

Unverändert ist, dass mir das Wohlergehen anderer schwerhöriger und an Morbus Menière erkrankter Menschen am Herzen liegt. Daher werde ich den Blog nach wie vor immer im Auge behalten und auf Kommentare reagieren.

Wer weiß, vielleicht kommt auch wieder die große Schreibfreude :)!

Abschließend will ich noch ein Zitat aus meinem Artikel Kannst du dir vorstellen gesund zu sein? anführen. Es beschreibt, wie es mir geht:

Ich sehe mich gesund. Dabei sehe ich mich wieder schlanker und voller Kraft. Die Konturen meines Gesichts treten wieder stärker hervor. Es strahlt Freude aus und als Ganzes habe ich eine sehr lebendige und dynamische Ausstrahlung. Ich lache viel, bin viel in der Natur sehe mich aber auch gemütlich in einem Straßencafé sitzen. Ich bin auch wieder mehr im direkten, „physischen“ Kontakt mit anderen Menschen. Die vorherrschenden Gefühle sind Freude, Liebe und tiefe Dankbarkeit! Ich fühle mich gut verbunden – mit mir, meinem Umfeld und dem „großen Ganzen“.

DANKE!

Ergänzung: Zu leben, als ob ich gesund wäre, bedeutet für mich nicht Verdrängung. Ich habe mich mit der Botschaft der Krankheit sehr genau auseinandergesetzt und möchte dies jedem Menschen ans Herz legen, der- oder diejenige körperliche Unpässlichkeite bis hin zu schwereren Erkrankungen zu handeln hat.

Lebensdauer von Otoplastiken II – Gewichtsfaktor

2012 schrieb ich schon mal einen Beitrag zur Lebensdauer von Otoplastiken. Damals meinte ein Akustiker nach wenigen Monaten Tragedauer, dass ich neue Otoplastiken benötige. Sein Chef, von dem ich betreut werde, reparierte mir die herausrutschenden Hörer und ich musste mir keine neuen Ohrpassstücke anschaffen.

Diese Woche war ich wieder mal beim Akustiker. Meine Hörgerätebatterien halten nicht mehr lange, da wohl die Kontakte aufgrund der Feuchtigkeit beim Schwitzen im Sommer oxidiert sind. Zudem konnte ich keine Toilette mehr betreten, ohne dass ein schrilles Pfeiffen eine Attacke an meine Geduld und meine Nerven auslöste – und vermutlich auch die Besucherinnen der Nachbartoilette noch belästigte. Nach dem Walken im Sommer pfiffen sie ebenso munter vor sich hin, unabhängig davon wo ich mich befand. Sie pfiffen mir was! Oder pfiffen sie gar auf mich? Ich wünschte, ich könnte auf sie pfeifen ;)!
Genug der Wortspielerei. Phasenweise musste ich sie dann auch ablegen, weil das wenig melodische Konzert für mich und meine Nächsten weniger fein war.

Beim Rückkoppelungstest hat mir der Akustiker – in unmissverständlicher Weise – erklärt, dass beim Ab- und Zunehmen ebenso verstärkt Rückkoppelungseffekte auftreten können. Es ist wohl unübersehbar, dass ich zugenommen habe!

Wir einigten uns dann darauf, dass ich wieder komme, wenn ich noch mehr abgenommen habe. Ich verschwieg ihm, dass da noch mind. 19 kg runter wollen/sollen.

Hoffentlich sehe ich den Akustiker noch in diesem Leben😉.

Radar für schwerhörige RadlerInnen

In den letzten 10 Jahren bin ich kaum auf ein Fahrrad gestiegen. Ich wohne so hoch oben, dass mir der 7 Kilometer lange und steile Berg mit sehr enger Fahrbahnbreite schlichtweg zu viel wurde. Da das Rad jedoch ein tolles Training für meinen Fuß ist, bin ich im Urlaub einen Nachmittag mit dem Rad unterwegs gewesen. Dummerweise fuhr „ich“ danach noch in eine Tiefgarage und vergaß, dass das Rad am Dach des Autos war. Es machte einen lauten Krach und (nicht nur) das Rad war kaputt. Kurzum es musste zur Reparatur. Im Laden stand da so ein kleines zusammen gefaltetes Rad, dass meine Aufmerksamkeit auf sich zog. Ich testete es und war begeistert. Am Wochenende stieg die Begeisterung an. Das Packmaß des gefalteten Rades ist derart klein, dass ich es spielend leicht im Bus, in der Straßenbahn oder im Auto mitnehmen kann. Das würde meine Mobilität bedeutend erhöhen. Ich lenke ja kein Auto mehr, die Busse fahren eher selten und ich wohne weit weg von der Stadt.

Träume gehören verwirklicht! So bin ich nun wieder aufs Rad gekommen.

Brompton_gefaltet

Darauf zu fahren, bereitet mir Freude und mein Bewegungsradius hat sich in der Tat bedeutend erweitert.  Auf der Straße, vor allem der Bundesstraße habe ich allerdings Stress – vor allem wegen der Autofahrer. Manche fahren schlichtweg zu knapp vorbei und bei manch starker Kurve, die bergauf geht denke ich mir, dass die Angst nicht unbegründet ist. Aber auch auf geraden Straßenstücken gibt es Autofahrer, die meinen, dass rd. ein halber Meter Abstand reicht. Hinzu kommt noch, dass ich mit den dünnen Reifen bei Straßenunebenheiten nicht immer perfekt rechts fahren kann und nicht alle Autos rechtzeitig höre. Letzteres kann mir erleichtert werden, wie ich soeben per Zufall entdeckt habe. Es gibt doch glatt ein Radar für RadfahrerInnen, die herannahende Autos ab 140 m erkennen und für die AutofahrerInnen ein Warnsignal im Sinne eines stark leuchtenden roten Lichtes abgeben. Ich finde das toll – vor allem für alle schwerhörigen oder gehörlosen RadfahrerInnen! Die Konzentration bleibt dabei auf der Straße, die vor einem liegt.

P.S. Lt. Anbieterfirma ist die Hauptsache von Fahrradunfällen, dass FahrradfahrerInnen übersehen werden.

P.P.S. Ob ein rotes Licht bei Tag ausreicht, um nicht übersehen zu werden, will ich in Frage stellen. Ich sehe es primär als persönlichen Schutz, indem ich – wie bereits geschrieben – die Konzentration auf die nächsten vor mir liegenden Straßenmeter lenken kann. Der stolze Preis hält mich jedoch davon ab es zu kaufen. Ich will erstmals ein wenig mehr Fahrsicherheit gewinnen. Die ist ja durch die beiden Reifenplatzer etwas getrübt. Kommt Zeit kommt Klarheit!

Der nicht enden wollende Kampf …

…um nicht glückende Kompensation

Den Satz las ich bei Matthias im Filterlos-Blog. Er trifft ins Schwarze und zog mich derart in den Bann, dass ich den Rest des Artikels nur mehr zum Teil erfassen konnte und nochmals lesen werde. Vielleicht liegt es auch an der kurzen Nacht, da meine Mutter tags zuvor ihren 71iger feierte und es so nett war, dass ich nicht nach Hause gehen wollte. Meine kleinen grauen Zellen sind noch nicht in Höchstform.

Ich will eine weitere Geschichte aus meinem Leben erzählen. Obwohl sich die Hörbehinderung niemals gänzlich kompensieren lässt (was mitunter sehr belastend und frustrierend sein kann), nimmt mir persönlich die obige Formulierung den Blick auf die mitunter oder auch häufiger gelingende Kommunikation. Meine Umformulierung lautet: „Der nicht enden wollende Kampf um das Glücken der Kommunikation“. Ich erzähle die Geschichte – wie einige andere zuvor – um meine Hörbehinderung ein wenig nachvollziehbarer werden zu lassen. Voranstellen möchte ich noch, dass ich in der letzten Zeit sehr gut verstehe und – aus welchem Grund auch immer – mir vermehrt auffällt, dass mein Verstehen nicht ausreicht, eine missverständnisfreie Kommunikation zu führen. Infolge dessen kann ich mir immer besser vorstellen, wie viele Leute von mir oder meinem Verhalten oder meinen Aussagen befremdet sein müssen. Ich sage einfach völlig Unpassendes, aus dem Kontext Genommenes oder mache den Eindruck ein Elefant im Porzellanladen zu sein, indem ich mich mangelnd einfühlsam oder sonst irgendwie anders verhalte.

Nicht alle diese Kommunikations- oder vielmehr Verstehensschwierigkeiten sind so nett und lustig wie die Finita- oder so aufregend wie die Einbrecher-Anekdote.

Nun aber zur aktuellen Geschichte. Diese Woche hatte ich mit dem neuen (genialen Falt-)Rad den zweiten Reifenplatzer und kam in die Werkstatt.

brompton

Die Werkstatt ist ein Sozialprojekt, in dem ich früher mal als Sozialarbeiterin gearbeitet habe. Ich fühle mich mit den damaligen Kollegen immer noch sehr verbunden, kurzum ich mag sie. Es dauerte ein wenig bis mein damaliger Kollege und heutiger Chef kam. Er drehte am Reifen herum und meinte, dass sie heute unterbesetzt sind und noch viel zu tun haben. Das hörte ich nicht und verstand es auch nicht. Ich bat ihn, ob wir den Reifen nicht gleich gemeinsam ansehen können, da ich mir große Sorgen mache, dass ich das nächste Mal weniger glimpflich davon kommen könnte. Ein paar Momente später spürte ich, dass irgendwas nicht stimmt und sagte, dass ich langsam zur unangenehmen Kundschaft werde, mit diesen Reklamationen. Er meinte, dass dem nicht so ist, sie nur so viel zu tun hätten. Da verstand ich, wo der Punkt dieses unstimmigen Gefühls war. Allerdings war er zu diesem Zeitpunkt schon im Begriff das Hinterrad auszubauen und reagierte nicht mehr auf meine zweimal wiederholte Aussage, dass ich auch wiederkommen kann. Was er sich im Moment des zeitlichen Drucks und zusätzlichen Drucks von mir dachte, will ich gar nicht wissen.IMG_3853_gelb_gedruckt

Am nächsten Tag rief ich ihn an, erklärte ihm, dass ich ihn aufgrund meiner Schwerhörigkeit nicht verstand und entschuldigte mich. Er freute sich darüber – erleichternderweise auch für mich hör- und verstehbar – und es war wieder alles okay.

Diesmal bin ich von meiner Freundin darauf hingewiesen worden, dass ich etwas überhört habe. Aber ich bin nicht immer in Begleitung und nicht immer sind die Situationen so, dass jemand anderer seine Irritation ansprechen kann oder will und in der letzten Zeit habe ich vermehrt wahrgenommen, dass ich bedeutend öfters als mir je bewusst war in derartige Situationen komme.

Ja, es ist ein fortwährendes Achtsam-Sein und Sorgen für eine geglückte Kommunikation. Beziehungsarbeit eben! Diese ist von schwerhörigen Menschen gewiss häufiger oder vermehrt zu leisten. Eine Hörbehinderung kann dabei niemals ganz kompensiert werden. Die Ursprungsformulierung „nicht glückende Kompensation“ weist darauf bereits hin.

Vielleicht sollte ich beim ersten Anflug eines Missverständnisses andere Menschen darauf hinweisen oder daran erinnern, dass ich schlecht höre und sie bitten, das Gelingen der Kommunikation zu unterstützen, indem sie Irritationen ansprechen. Ich habe diese Idee zu den Taktiken bzw. zur Kommunikationstaktik hinzugefügt.