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Schwindel mitten im Wald

Eigentlich ging es mir bedeutend besser.

Der Urlaub hat mir gut getan. Ich habe gefastet, einige Kilos abgenommen. Gleichzeitig habe ich das Gehen trainiert und die Schmerzen haben sich bedeutend verringert. Seit dem Urlaub mache ich fast täglich Sport und es tut mir gut.

Was mich besonders freut: ich habe vom Arzt kurz vor dem Urlaub Blutdrucktabletten verschrieben bekommen und sie nicht vertragen. Durch das Fasten, den weitgehenden Verzicht auf Salz sowie die vermehrte Bewegung hat sich mein Blutdruck in kürzester Zeit wieder völlig normalisiert.

Eine Woche später war die Hochzeit meiner Schwester – wunderschön und herzberührend.

In der darauffolgenden Woche erhob sich massiver Arbeitsdruck. Eine Kollegin überlegt zu kündigen, eine andere verhält sich ärgerlicherweise sehr unsolidarisch (und das ist sehr freundlich formuliert!). Der „Rest“ der Belastung geht bis zum möglichen Verlust des Arbeitsplatzes, aufgrund der Auflösung der gesamten Dienststelle.

Was macht mein Körper daraus? Er rebelliert gegen den Druck an seiner offenbar schwächsten Stelle, den Ohren oder vielleicht ist es auch der Nacken, was nicht verwunderlich wäre bei den Lasten auf den Schultern. Auf jedenfall bedeutet das Schwindel. Seine Erscheinungsformen zeigen sich von halbwegs gut handelbar, da sich der Drehschwindel langsam erhebt, verbunden mit leichten und sehr starken Nystagmen bis hin zu einem gewaltigen schnell eintretenden, kurzen, aber massiven Drehschwindel, der bedrohlich ist, weil ich dann – ohne Halt – umfallen würde. So einer zeigte sich gestern! In dieser Gesamtsituation versuchte ich wieder zur Ruhe zu finden und darauf zu vertrauen, dass ich schon damit zusammen kommen werde, was auch immer das Leben noch für mich parat haben wird.

Heute wollte ich Einkaufen gehen. In so einem Zustand steige ich nicht mal aufs Rad. Ich freute mich darauf, gemütlich durch den Wald in die Stadt zu gehen, was 1,5 bis 2 Stunden Zeit braucht. Nach 15 Minuten kam der erste Dreher in einem Tempo, dass ich noch zwei Schritte auf den nächsten Baum zumachen konnte. Nach ein paar Minuten setzte ich mich nieder, machte ein paar Wirbelsäulenübungen und entschied nicht so schnell aufzugeben sondern weiterzugehen. Nach weiteren 15 Minuten kam der zweite Dreher – wieder war ein Baum diesmal sogar direkt neben mir und für danach ein Stein zum Niedersetzen.

Liebe LeserInnen, in so einer Situation erheben sich schon düstere Gedanken, wie nicht mehr weiterzukommen, unbehagliche Bilder von Zuständen der über Stunden andauernden Gehunfähigkeit mit Dauererbrechen ebenso. So saß ich da mit einem Schweißausbruch und mir war kotzübel. Ich versuchte die Situation abzuwägen. In welche Richtung war es klug zu gehen? Sollte ich den kürzesten Weg zur Straße wählen und mir ein Taxi rufen, das wiederum lange brauchen würde bis es da sei. Dummerweise hatte ich keine Ahnung, wie die Straße heißt und ob am Bauernhaus eine Nummer zu finden sei, damit ich mich mitteilen kann, wo ich abzuholen sei. Sollte ich zurück nach Hause gehen? Würde ich das schaffen? Würde noch weitere Drehschwindelattacken kommen und wenn ja, wie plötzlich? Hätte ich die Zeit und auch die Nähe eines Baumes, um mich festzuhalten? Auch Angst war spürbar – die Angst vor einem weitern möglicherweise ähnlich folgenschweren Sturz (8 Monate Krücken, 2 Jahre z.T. sehr heftige Schmerzen, dauerhafte Gehbeeinträchtigung da ich meinen Fuß nicht mehr ganz abbiegen kann sowie – aufgrund ansonsten eintretender Schmerzen – zu kleineren Schritten gezwungen bin)!

Ich versuchte mich zu orientieren, wo genau ich war und spürte in mich hinein, was ich zu schaffen glaubte. Dann entschied ich mich mal aufzustehen und ein paar Schritte in Richtung Zuhause zu versuchen. Es fühlte sich nicht gut an, denn der Schwindel war eindeutig noch zu spüren. Ich ging erst von Baum zu Baum, dann ließ ich ein paar Bäume aus und redete mir gut zu, dass ich es schaffen werde. Ganz alleine war ich nicht, denn ich hatte mein Mikro angeklippt und zumindest jemanden an der anderen Seite der Telefonleitung, auch wenn wir fast nur geschwiegen haben. Schwindel erhob sich und ging auch wieder. Manchmal hatte ich keine Ahnung, ob ich es schaffen würde, weil die nächsten Bäume weiter entfernt waren. Dann kam ich Richtung Straße und wieder fragte ich mich, wie ich es schaffen soll. Ein-, zweimal wäre ich am liebsten in Tränen ausgebrochen. Ebenso war ich mal sehr wütend, mich in so einem erbärmlichen Zustand zu befinden. Ich suchte auch auf der Straße ständig nach Möglichkeiten zum Anhalten, falls ich sie brauchen würde. Der Teil ging ganz gut und ich bin dankbar, dass ich so gut trainiert bin, denn meine Schritte waren kräftig, relativ sicher und schnell.

Ich bin auch dankbar, dass ich gut zurück gekommen bin!

Gespräch am Berg

Wir schwerhörigen Menschen neigen ja dazu, uns so gewisse Strategien zuzulegen, um das Viele, das wir mitunter nicht verstehen, ein wenig zu kaschieren (vgl. auch Taktiken). Die Taktik, der ich heute begegnet bin, habe ich allerdings noch nicht beschrieben.

Heute traf ich eine alte Frau am Berg. Sie kam gerade aus einem Bauernhaus und war in Plauderlaune. Wir unterhielten uns ein wenig und irgendwann im Gespräch fragte ich sie, wo sie früher gelebt hat. Darauf antwortete sie: „Das weiß ich nicht.“

Dement erschien sie mir nicht. Ich gehe davon aus, dass es ihre Taktik ist auf etwas, das sie nicht versteht mit diesem Satz zu antworten.

Ich stelle mir gerade vor, wie mein Chef reagiert, wenn ich auf seine Fragen mit: „Das weiß ich nicht.“ antwortete ;).

Also eine nette Strategie einer schon sehr betagten Frau und eher weniger empfehlenswert.

P.S. Ich möchte nicht wissen, wie häufig es vorkommt, dass ich eine völlig falsche Antwort gebe, weil ich glaube, etwas richtig verstanden zu haben. Meine Reisebegleitung meint gerade, dass es nicht allzu oft vorkommt. Puh, da bin ich aber beruhigt!

P.P.S. Eine zum Thema passende Anekdote, über die ich mich immer wieder köstlich amüsiere, ist hier nachzulesen: Sprachliche Missverständnisse.

 

Schutz oder Glück

In der letzten Zeit – und die war ganz schön lange – war er ruhig, der Meniere.

Am Freitag dann wieder der erste „Schlag“ im Kopf in Verbindung mit einem kurzen aber heftigen Drehschwindel. Erneut ein Schockerleben für mich. Ich schaffe es – was aufgrund meiner körperlichen Beeinträchtigungen verwunderlich ist – mich blitzschnell auf den Boden zu setzen. Nach dem Schock folgt der seelische Schmerz. Vorbei ist es wieder mit der Hoffnung auf mehr Selbständigkeit, indem ich wieder die Verantwortung für das Lenken eines Autos oder auch eines motorisierten Zweirads übernehmen kann.

Am Montag in der Früh – ich ahnte es aufgrund der Lärmempfindlichkeit schon – der zweite Drehschwindelanfall. Diesmal kommt er langsam, d.h. er baut sich innerhalb von einigen wenigen Sekunden auf und nicht innerhalb des Bruchteils einer Sekunde. Die Schnelligkeit des auftretenden Drehschwindels, gepaart mit der Heftigkeit des Drehens, können dieses Schlag-Gefühl erzeugen. Unmittelbar danach rufe ich bei meinem HNO-Arzt an – in voller  Hoffnung, dass ich vielleicht eine Mittelohrentzündung haben könnte und dieser vernichtende Spuk rasch wieder ein Ende hat. Der HNO-Arzt meint jedoch nach eingehender Untersuchung: eines der vielen Gesichter des Menieres. Auf meinen Hinweis, dass er selber schon mal seine Diagnose infrage stellte, reagierte er nicht.

Heute, es ist Mittwoch, bin ich im Stiegenhaus. Ich möchte die Türe aufsperren. Auf einmal bekomme ich eine Schlag, der mich nach links wegreißt. Ich kann gerade noch mit beiden Händen an den Türrahmen fassen, um nicht umzufallen. Die Kette mit den Engeln, die links vom Türstock hängt, kracht auf den Boden. Ich atme heftig und laut ein und aus und ein und aus und… und halte mich fest. Einen Moment lang denke ich mir, ich rufe laut um Hilfe, lasse es aber. Ich bleibe stehen, an den Türstock geklammert, bis ich fähig bin auf unsicheren Beinen an der Wand entlang in die Wohnung zu gelangen.

Den beiden als Schlag empfundenen Drehschwindelattacken ging bereits ein Schwindel voraus. Ein sicheres Anzeichen ist das jedoch nicht, denn seit Neuesten habe ich auf einmal einen stark schwankenden Blutdruck – von normal bis an der Grenze zu Hypertonie III. Mir ist demzufolge des öfteren nicht ganz wohl. Auffallend ist eine phasenweise  Lärmempfindlichkeit wie nie zuvor. Da kann mitunter ein Geschirrgeklapper schon ausreichen um angespannt wie ein Drahtseil zu sein. Meine Gehörleistung ist unverändert.

Soviel zu den Meniere(?)-Fakten.

In meinem Kopf kreisen viele Gedanken und Fragen unruhig und ein wenig wirr herum. Die Zuversicht ist mir abhanden gekommen – für den Moment. Ich bin sehr traurig und lasse das Fühlen auch zu. Ich habe auch Angst, dass ich das nächste Mal nichts zum Anhalten finde. Diese Angst ist größer geworden.

Für heute verabschiede ich mich mal – ausnahmsweise ohne zuversichtliche oder Zuversicht gebende Sätze. Auch das ist eine Seite dieser Krankheit, die gezeigt werden will, um nicht den selber betroffenen LeserInnen das Gefühl zu geben, dass es jemanden gibt, die stärker als sie selbst ist. Nein es ist völlig normal und okay sich auch mal hoffnungslos, traurig und verzweifelt zu fühlen. Wenn es zum Dauerzustand wird, soll natürlich über Unterstützung nachgedacht werden.

Uns allen wünsche ich für heute (göttlichen) Schutz.

MM-Jahrestag

Kürzlich hatte ich wohl den 5ten Morbus Menière Jahrestag. Es ist nicht so, dass es was zu feiern gäbe….

Es ist vielmehr so, dass ich in den letzten Tagen immer wieder unruhig geworden bin. Mir war allerdings nicht klar, warum das so ist.

Heute kam ich auf die Idee, dass der erste MM-Anfall ja im März war. Um genau zu sein, war er in der ersten Stunde vom 5. März. Es war der „erste“ MM-Anfall nach rd. 20 Jahren.

Was ich völlig vergessen habe: Ich habe eine Woche vor dem Anfall ein paar Zeilen im Blog geschrieben, die ich allerdings als Entwurf liegen ließ und dann erst am Morgen nach dem Anfall veröffentlicht habe:

Drehschwindel aus dem Nichts

Übelkeit erhebt sich unmittelbar

Menière ich verschließe die Türe vor dir

Ich verbarrikadiere sie

Du bist ein ungebetener Gast

Die Schwerhörigkeit reicht aus

Punkt

Damals – also eine Woche vor dem „ersten“ Anfall im März 2012 – hatte ich wohl schon einen Vorboten vom folgenden schweren MM-Anfall bei mir zu Besuch. Daraus entstand wohl auch eine Vorausahnung, dass es sich tatsächlich um Morbus Menière handelt, denn als rd. 20jährige Frau nahm ich diese Verdachtsdiagnose MM gar nicht ernst. Es gab kein Internet und ich hatte infolge auch keine Schwindelanfälle mehr und somit vergaß ich die ganze Geschichte über die Jahre hinweg auch wieder. Die unzähligen Hörstürze in den Jahren bis 2012 brachte ich damit nicht in Verbindung. Diese Erkenntnis hatte ich erst in den letzten beiden Jahren.

Das Schreiben dieser Zeilen ermüdet mich. Ich weiß nicht mal, ob ich alles klar formuliert habe, lasse den Text aber mal so stehen.

So und jetzt denke ich wieder an freudvolleres, energiegebendes :)!

 

Tag des Hörens

Jedes Jahr am 03.03 ist der Tag des Hörens. Ob er deswegen genau an diesem Tag ist, weil die Zahl 3 an ein Ohr erinnert, ist mir nicht bekannt.

Ich könnte jetzt darüber schreiben, wie wichtig es ist, seine Ohren zu schützen, vor lauter Musik, vor Lärmspitzen im Verkehr, etc… Auch Schwerhörigenstatistiken sind hochinteressant. Nein das überlasse ich heute anderen. Eine einfache Eingabe bei Google zeigt viele interessante Suchergebnisse.

Mir stellt sich vielmehr die Frage, warum dieser Tag, Tag des Hörens und nicht Tag des Verstehens heißt? Letztendlich geht es „nur“ ums Verstehen, denn Hören tun die meisten von uns, bloß verstehen wir mitunter sehr wenig vom Gesagten?

Dazu ein bereits mehrmals im Blog geschriebenes Zitat:

Hören „macht Verstehen leicht …
Du musst überhaupt nichts tun,
hast keinerlei Anstrengung nötig,
selbst die geringe nicht, deine Augen zu heben,
um zu sehen –
die Töne kommen einfach zu dir.“

(Greller Blitz und stummer Donner, 1987 zitiert in „Auswirkungen einer Schwerhörigkeit auf die Psyche“ von Almuth, Schreiber)

Im Vergleich dazu lässt sich die Schwerhörigkeit so nachvollziehbar beschreiben:

Stellen dir vor, du sitzt in einer englischsprachigen Gesprächsrunde oder, falls du französisch, italienisch, etc. weniger gut kannst, in dieser.

Deine Sprachkenntnisse reichen aus, um einzelne Wörter zu verstehen. Das Verstandene genügen nicht, um den Sinn des Gesagten erfassen zu können. Dann fragt dich jemand etwas….

Dieser wichtige Tag müsste also „Tag des Verstehens heißen“.

Heute in der Früh kam mir wieder in den Sinn, dass ich als Jugendliche auf viele meiner Hefte und auf sonstige Gegenstände „Lebe und Verstehe“ geschrieben habe. Der Satz klingt ja fast wie ein Omen. Damals wusste ich noch nicht, wie sehr mich dieses Verstehen mal beschäftigen und herausfordern wird.

Ich hätte damals wohl besser all diese Gegenstände mit folgen Worten zu verziert:

liebelachetanze

In diesem Sinne, habt einen schönen Tag, liebe LeserInnen :)!

Ruhe und Entspannung – bloß wie?

Ich mag Fragen von LeserInnen, vor allem all jene, bei denen ich glaube, dass sie für die Heilung von zentraler Bedeutung sind.

So auch die Frage von Angelika:

(…) Wie ja schnell festzustellen ist, bist du sehr aktiv, was mich jedoch darin bewegt ist, dass du auch noch sehr viele Anfälle bekommst. Wie ist es denn mit Ruhe, hast du das auch schon mal ausprobiert. Weißt du so mit viel Entspannung und Buch lesen. Ich weiß ja jeder geht anders mit um und du bist ja eher ein aktiver Mensch.
Würde mich sehr darüber freuen wenn du mir hierzu einen kleinen Beitrag schreiben könntest (…).

Ein Danke an dich, liebe Angelika, für deine Frage und dein wertschätzendes Kommentar. Weiterlesen …

Was mir grad so in den Sinn kommt ;)

Meine Ohren hören derzeit wieder mal viel zu viel weniger erfreuliches. Das Wort „Mist“ ist mir zuerst in den Sinn gekommen. Ich kann gar nicht anders als das Wort Mist gegen „weniger erfreuliches“ auszutauschen. Zumindest hier im Blog, denn ich will ihn ja eher als Informations- und Kraftquelle führen und gesehen wissen. Als in positiver Formulierung trainierte ehemals tätige Sozialarbeiterin fällt mir jede negative und energieraubende Formulierung sofort auf. Als hochsensible Frau schmerzt mich jede negative Energie, ob sie sprachlich zu mir kommt oder energetisch. Vielleicht lebe ich deswegen auch bedeutend zurückgezogener als noch vor ein paar Jahren.

Zurück zum Beginn ;). Neben dem Hören von weniger Erfreulichem (was mitunter auch an einer mangelnden Fähigkeit liegt, das Positive dahinter zu sehen oder gelassen zu sein) habe ich noch viel zu viel Arbeit und leider auch wieder vermehrt Schmerzen. Das stresst mich und meine Ohren meinten heute schon am Vormittag, ich solle ein wenig kürzer treten. Danke liebe Ohren!

Mich zu entspannen ging heute leicht. Ich las aufgrund eines Kommentars hier im Blog den dazugehörigen Artikel nochmal. Ich tauchte in die Welt der Morbus Menière-Schlagattacken ein und mir wurde wieder einmal mehr oder vielmehr tiefergehender bewusst, dass es Zeit ist einzuatmen, auszuatmen und loszulassen und im dienstlichen Kontext ein wenig kürzer zu treten….

Danke für deinen Kommentar Udo und danke dafür dass mir mein Blog auch Besinnung sein kann und mein Herz weit macht. Es fühlt sich so wohltuend an ❤ ….

Zentangelherz

Apropos Danken. Derzeit schreibe ich wieder mal fast täglich 3 Sätze darüber, wofür ich dankbar bin oder worüber ich mich freue. Das Leben ist ein Spiel mit den Energien und diese kleine Aktivität lenkt die Energie auf die Dankbarkeit und die Freude. Beide zusammen bringen Glück :)!

Viele Glücksmomente für euch „meine“ lieben LeserInnen.