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Schutz oder Glück

April 26, 2017

In der letzten Zeit – und die war ganz schön lange – war er ruhig, der Meniere.

Am Freitag dann wieder der erste „Schlag“ im Kopf in Verbindung mit einem kurzen aber heftigen Drehschwindel. Erneut ein Schockerleben für mich. Ich schaffe es – was aufgrund meiner körperlichen Beeinträchtigungen verwunderlich ist – mich blitzschnell auf den Boden zu setzen. Nach dem Schock folgt der seelische Schmerz. Vorbei ist es wieder mit der Hoffnung auf mehr Selbständigkeit, indem ich wieder die Verantwortung für das Lenken eines Autos oder auch eines motorisierten Zweirads übernehmen kann.

Am Montag in der Früh – ich ahnte es aufgrund der Lärmempfindlichkeit schon – der zweite Drehschwindelanfall. Diesmal kommt er langsam, d.h. er baut sich innerhalb von einigen wenigen Sekunden auf und nicht innerhalb des Bruchteils einer Sekunde. Die Schnelligkeit des auftretenden Drehschwindels, gepaart mit der Heftigkeit des Drehens, können dieses Schlag-Gefühl erzeugen. Unmittelbar danach rufe ich bei meinem HNO-Arzt an – in voller  Hoffnung, dass ich vielleicht eine Mittelohrentzündung haben könnte und dieser vernichtende Spuk rasch wieder ein Ende hat. Der HNO-Arzt meint jedoch nach eingehender Untersuchung: eines der vielen Gesichter des Menieres. Auf meinen Hinweis, dass er selber schon mal seine Diagnose infrage stellte, reagierte er nicht.

Heute, es ist Mittwoch, bin ich im Stiegenhaus. Ich möchte die Türe aufsperren. Auf einmal bekomme ich eine Schlag, der mich nach links wegreißt. Ich kann gerade noch mit beiden Händen an den Türrahmen fassen, um nicht umzufallen. Die Kette mit den Engeln, die links vom Türstock hängt, kracht auf den Boden. Ich atme heftig und laut ein und aus und ein und aus und… und halte mich fest. Einen Moment lang denke ich mir, ich rufe laut um Hilfe, lasse es aber. Ich bleibe stehen, an den Türstock geklammert, bis ich fähig bin auf unsicheren Beinen an der Wand entlang in die Wohnung zu gelangen.

Den beiden als Schlag empfundenen Drehschwindelattacken ging bereits ein Schwindel voraus. Ein sicheres Anzeichen ist das jedoch nicht, denn seit Neuesten habe ich auf einmal einen stark schwankenden Blutdruck – von normal bis an der Grenze zu Hypertonie III. Mir ist demzufolge des öfteren nicht ganz wohl. Auffallend ist eine phasenweise  Lärmempfindlichkeit wie nie zuvor. Da kann mitunter ein Geschirrgeklapper schon ausreichen um angespannt wie ein Drahtseil zu sein. Meine Gehörleistung ist unverändert.

Soviel zu den Meniere(?)-Fakten.

In meinem Kopf kreisen viele Gedanken und Fragen unruhig und ein wenig wirr herum. Die Zuversicht ist mir abhanden gekommen – für den Moment. Ich bin sehr traurig und lasse das Fühlen auch zu. Ich habe auch Angst, dass ich das nächste Mal nichts zum Anhalten finde. Diese Angst ist größer geworden.

Für heute verabschiede ich mich mal – ausnahmsweise ohne zuversichtliche oder Zuversicht gebende Sätze. Auch das ist eine Seite dieser Krankheit, die gezeigt werden will, um nicht den selber betroffenen LeserInnen das Gefühl zu geben, dass es jemanden gibt, die stärker als sie selbst ist. Nein es ist völlig normal und okay sich auch mal hoffnungslos, traurig und verzweifelt zu fühlen. Wenn es zum Dauerzustand wird, soll natürlich über Unterstützung nachgedacht werden.

Uns allen wünsche ich für heute (göttlichen) Schutz.

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6 Kommentare
  1. Birgit Esselmann permalink

    ZUVERSICHT,liebe Susanne das wünsche ich Dir auf dem Weg Deiner Genesung.Herzliche Grüße Birgit

    • Hallo liebe Birgit,
      vielen lieben Dank für deinen Wunsch nach Zuversicht. Sie folgt auf den ersten Schock. Es braucht einfach ein paar Tage Besserung.
      Ich hoffe, es geht dir gut.
      Herzliche Grüße
      Susanne

  2. Liebe Susanne,
    Ich wünsche Dir Kraft und Mut und die Fähigkeit Hoffnung da zu finden, wo Du sie eigentlich garnicht vermutet hättest!
    Liebe Grüße
    Matthias

    • Hallo lieber Matthias,
      vielen lieben Dank Matthias für deine lieben Worte.
      Sei mir herzlich gegrüßt
      Susanne

  3. Hallo liebe Susanne,

    Die vielen Gesichtern des „Menieres“______

    offiziell habe ich keine Diagnose „Morbus Menieres“
    meine lautet „Hyperakusis, Chronischer Tinnitus, Schallempfindungsschwerhörigkeit…“

    und dennoch habe ich vor Jahresfrist, ungefähr, Drehschwindelattacken und 2
    so heftige Sturzattacken gehabt, die mich aus heiterem Himmel durch das Zimmer , an die Wand,
    auf den Boden im angrenzenden Raum geschleudert haben, alles bei vollem Bewusstsein“!
    Alle anschließenden Untersuchungen, MRT von Kopf und HWS, Ultraschall etc.
    haben keine Ergebnisse erbracht, ich sage Gott sei Dank“!!!

    Der „Menieres“ ist ein unberechenbarer Geselle!

    Und zum Thema „Glück oder Schutz“ ich setze mit großer Überzeugung,
    auf „Letzteres“!

    Liebe Grüße
    Gisela

    • Hallo liebe Gisela,
      ja er ist unberechenbar!
      Es erschreckt mich aufs Neue, was du damals miterleben musstest :(.
      Als ich die Headline Glück oder Schutz schrieb, habe ich gewusst, dass du dazu was schreiben wirst ;). Wir kennen uns ja doch auch schon ein paar Jahre. Danke dafür, liebe Gisela!
      Herzliche Grüße
      Susanne

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