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Schwindel mitten im Wald

Juni 14, 2017

Eigentlich ging es mir bedeutend besser.

Der Urlaub hat mir gut getan. Ich habe gefastet, einige Kilos abgenommen. Gleichzeitig habe ich das Gehen trainiert und die Schmerzen haben sich bedeutend verringert. Seit dem Urlaub mache ich fast täglich Sport und es tut mir gut.

Was mich besonders freut: ich habe vom Arzt kurz vor dem Urlaub Blutdrucktabletten verschrieben bekommen und sie nicht vertragen. Durch das Fasten, den weitgehenden Verzicht auf Salz sowie die vermehrte Bewegung hat sich mein Blutdruck in kürzester Zeit wieder völlig normalisiert.

Eine Woche später war die Hochzeit meiner Schwester – wunderschön und herzberührend.

In der darauffolgenden Woche erhob sich massiver Arbeitsdruck. Eine Kollegin überlegt zu kündigen, eine andere verhält sich ärgerlicherweise sehr unsolidarisch (und das ist sehr freundlich formuliert!). Der „Rest“ der Belastung geht bis zum möglichen Verlust des Arbeitsplatzes, aufgrund der Auflösung der gesamten Dienststelle.

Was macht mein Körper daraus? Er rebelliert gegen den Druck an seiner offenbar schwächsten Stelle, den Ohren oder vielleicht ist es auch der Nacken, was nicht verwunderlich wäre bei den Lasten auf den Schultern. Auf jedenfall bedeutet das Schwindel. Seine Erscheinungsformen zeigen sich von halbwegs gut handelbar, da sich der Drehschwindel langsam erhebt, verbunden mit leichten und sehr starken Nystagmen bis hin zu einem gewaltigen schnell eintretenden, kurzen, aber massiven Drehschwindel, der bedrohlich ist, weil ich dann – ohne Halt – umfallen würde. So einer zeigte sich gestern! In dieser Gesamtsituation versuchte ich wieder zur Ruhe zu finden und darauf zu vertrauen, dass ich schon damit zusammen kommen werde, was auch immer das Leben noch für mich parat haben wird.

Heute wollte ich Einkaufen gehen. In so einem Zustand steige ich nicht mal aufs Rad. Ich freute mich darauf, gemütlich durch den Wald in die Stadt zu gehen, was 1,5 bis 2 Stunden Zeit braucht. Nach 15 Minuten kam der erste Dreher in einem Tempo, dass ich noch zwei Schritte auf den nächsten Baum zumachen konnte. Nach ein paar Minuten setzte ich mich nieder, machte ein paar Wirbelsäulenübungen und entschied nicht so schnell aufzugeben sondern weiterzugehen. Nach weiteren 15 Minuten kam der zweite Dreher – wieder war ein Baum diesmal sogar direkt neben mir und für danach ein Stein zum Niedersetzen.

Liebe LeserInnen, in so einer Situation erheben sich schon düstere Gedanken, wie nicht mehr weiterzukommen, unbehagliche Bilder von Zuständen der über Stunden andauernden Gehunfähigkeit mit Dauererbrechen ebenso. So saß ich da mit einem Schweißausbruch und mir war kotzübel. Ich versuchte die Situation abzuwägen. In welche Richtung war es klug zu gehen? Sollte ich den kürzesten Weg zur Straße wählen und mir ein Taxi rufen, das wiederum lange brauchen würde bis es da sei. Dummerweise hatte ich keine Ahnung, wie die Straße heißt und ob am Bauernhaus eine Nummer zu finden sei, damit ich mich mitteilen kann, wo ich abzuholen sei. Sollte ich zurück nach Hause gehen? Würde ich das schaffen? Würde noch weitere Drehschwindelattacken kommen und wenn ja, wie plötzlich? Hätte ich die Zeit und auch die Nähe eines Baumes, um mich festzuhalten? Auch Angst war spürbar – die Angst vor einem weitern möglicherweise ähnlich folgenschweren Sturz (8 Monate Krücken, 2 Jahre z.T. sehr heftige Schmerzen, dauerhafte Gehbeeinträchtigung da ich meinen Fuß nicht mehr ganz abbiegen kann sowie – aufgrund ansonsten eintretender Schmerzen – zu kleineren Schritten gezwungen bin)!

Ich versuchte mich zu orientieren, wo genau ich war und spürte in mich hinein, was ich zu schaffen glaubte. Dann entschied ich mich mal aufzustehen und ein paar Schritte in Richtung Zuhause zu versuchen. Es fühlte sich nicht gut an, denn der Schwindel war eindeutig noch zu spüren. Ich ging erst von Baum zu Baum, dann ließ ich ein paar Bäume aus und redete mir gut zu, dass ich es schaffen werde. Ganz alleine war ich nicht, denn ich hatte mein Mikro angeklippt und zumindest jemanden an der anderen Seite der Telefonleitung, auch wenn wir fast nur geschwiegen haben. Schwindel erhob sich und ging auch wieder. Manchmal hatte ich keine Ahnung, ob ich es schaffen würde, weil die nächsten Bäume weiter entfernt waren. Dann kam ich Richtung Straße und wieder fragte ich mich, wie ich es schaffen soll. Ein-, zweimal wäre ich am liebsten in Tränen ausgebrochen. Ebenso war ich mal sehr wütend, mich in so einem erbärmlichen Zustand zu befinden. Ich suchte auch auf der Straße ständig nach Möglichkeiten zum Anhalten, falls ich sie brauchen würde. Der Teil ging ganz gut und ich bin dankbar, dass ich so gut trainiert bin, denn meine Schritte waren kräftig, relativ sicher und schnell.

Ich bin auch dankbar, dass ich gut zurück gekommen bin!

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8 Kommentare
  1. Hallo Susanne,
    ich bewundere Deinen Mut! Mich hält mein Schwankschwindel seit langer Zeit davon ab, mich aufs Mountainbike zu trauen, in das nahe Mittelgebirge zu fahren, um einfach mal wieder einen Trail unter die Reifen zu bekommen. Es müsste ja kein extremer sein. Angespornt durch Deinen Beitrage, habe ich mir das fest vorgenommen.
    Gute Besserung für Dich und hoffentlich viele schwindelfreie Momente!
    Grüße
    Matthias

    • Hallo lieber Matthias,
      vielen lieben Dank dafür, dass du mir Mut zuschreibst.
      Mut braucht es ja gewiss! Es gibt auch noch andere antreibende Faktoren in mir, allen voran ein drängendes Bedürfnis rauszugehen. Weißt du, ich habe ja einen Heimarbeitsplatz und wenn ich dann nicht mal rauskomme, würde mir die Decke auf den Kopf fallen. Und einige andere Faktoren spielen auch rein. Das wäre wieder mal ein Stoff für einen Artikel ;).
      Auf jeden Fall wünsche ich dir ein gutes Reinspüren und genaues Beobachten, um den richtigen Zeitpunkt für einen wohltuenden Trail zu finden.
      Sei mir herzlich gegrüßt
      Susanne

    • Lieber Matthias,
      sei bitte sehr achtsam! Es wird seine Berechtigung haben, dass du bislang keine Tour gemacht hast.
      Das ist mir wichtig noch anzufügen.
      Liebe Grüße Susanne

  2. Hallo Susanne,

    schön mal wieder von dir zu lesen,
    Gutes und weniger Erfreuliches,
    aber ich stelle auch bei mir fest:

    bei diesen Krankheitsbildern ist auch die Psyche sehr beteiligt:

    kommt Druck irgendwelcher Art oder Arbeitsüberlastung, Sorgen, etc
    reagiere ich sofort mit Schlaflosigkeit, viel „lauteren Ohren“ die Nystagmen nehmen zu,
    und der Schwindel,
    meine Arbeitsleistung und auch meine Lust und Freude lassen gewaltig nach!
    Mein „Radius“ ist sehr beschränkt geworden!

    Aber I. geht es gut, sie hat eine Power und arbeitet wieder!

    Grüße Gisela

  3. Liebe Susanne

    Ich möchte dir raten eine Taxi-App zu installieren, und du erlaubst, dass sie deinen Standort zu ermitteln oder die App ‚Protegon‘ (die hab ich und ich Zähl monatlich 8,-€). So wirst du auf alle Fälle gefunden. Das wäre a bissal mehr Sicherheit für dich, wenn du unterwegs bist.

    Herzliche Grüße…
    Juliw

    • Hallo nochmals liebe Julie,
      ich danke dir für den Tipp. Ich habe mir Protegon bereits ein wenig angesehen und will noch herausfinden, ob diese APP auch in Österreich ihren Dienst leisten kann bzw. nach einer anderen APP suchen.
      Einen lieben Gruß
      Susanne

  4. Claudia permalink

    Liebe Frauen, häufig besteht ab dem 40. Lebensjahr eine Histaminintoleranz, die nicht erkannt wird. Kann auch als Kind schon auftreten übrigens. Ich konnte meine Hit auch sehr, sehr lange nicht erkennen, auch die anderen Unverräglichkeiten nicht…..
    Mit der Hit verbinden sich viele Symptome, häufig ist das Gesicht rot bzw. mit auffälligen Rötungen bedacht, aber nicht immer. Depressionen sind auch häufig.Werden aber auch durch Lactose, Fructose und Gluten, Milcheiweiß ausgelöst.
    Schwindel ist nicht ungewöhnlich mit der Hit, Hörschwankungen ebenfalls…..man wird schnell müde bei Stress. Konzentrationsstörungen und und und . In der Regel wird Rotwein nicht vertragen bzw. das wird bemerkt. Leider verträgt man insgesamt das Essen kaum. Die Diät, die zu einer krassen Besserung führen kann ist sehr hart. Es gibt Mängel an Magnesium, Vitamin B6, Zink …mehr fällt mir jetzt nicht ein.

    Weitere Informationen bei symptome.ch und Schweizerische Interessengemeinschaft Histaminintoleranz. Gluten und Milcheiweiß sind histaminfreisetzend nach Dr. Ledochowski, das haben die Schweizer leider noch nicht auf der Uhr.

    Alles Gute.
    Claudia.

    PS: Vielleicht hilft dem einen oder anderen Braingym weiter…macht auch Spaß. Ich las in einem Buch, dass nach einem Kurs in BG schon mal die Hörgeräte nicht mehr gebraucht werden. Vermute allerdings, dass der Hörverlust durch Verspannungen zustande kam in den Fällen.

    • Hallo Claudia,

      danke fürs Teilen deiner Erfahrung, deines Wissens. Ich habe ein wenig auf der von dir genannten Seite nachgelesen und finde die Informationen sehr interessant, zumal ich gewiss eine Histaminintoleranz habe. Vielleicht helfen sie ja auch der einen oder anderen LeserIn hier.
      Liebe Grüße
      Susanne

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