Susannes Blog

„Wohlan denn HERZ, nimm Abschied und gesunde!“

(Hermann Hesse, vollständiger Text s.u.) Es tut sich viel in meinem Leben, mitunter mehr als mir lieb ist. Zuerst die guten Nachrichten: Der Umzug, d.h. der Transport unseres Besitzes von Oberösterreich in die Steiermark, ist großteils geschafft und somit geglückt. Ich habe darüber gestaunt und tue es immer noch, wie viel mein Körper schafft. So habe ich am stärksten Umzugstag 15 Stunden harte Arbeit geschafft und dabei viele Stunden schwere Schachteln geschleppt. Das freut mich. Immerhin gab es davor fast ausschließlich Tage, an denen ich ohne zusätzlichen Gewicht die Treppen nur mit nicht zu geringen Schmerzen gehen konnte – das tägliche Training schafft Schmerzfreiheit und Wohlbefinden (und trainiert das Gleichgewicht, vgl. Jakobsweg I, II,III, etc.). Nun verbringe ich die meiste Zeit bereits in der neuen Wohnung in der Steiermark. Es ist noch sehr chaotisch, weil ich noch kaum Möbel besitze und mir auch nur wenige gefallen – also ein Leben aus Schachteln, derer es viel zu viele gibt. Aber das ist ein anderes Thema. Zwischenzeitlich habe ich auch die alte Wohnung geputzt und übergeben. Der Kontakt mit den wenig angenehmen Vermietern hat mich zuletzt nicht mehr gestresst. Ich hatte einen, eigentlich drei Joker in der Hand und somit verlief die Übergabe problemlos. Ich bin dennoch erleichtert, dass mich die alte die früheren Vermieter nicht mehr belasten. Meine Ohren verhalten sich bei alldem Stress sehr stabil. Man könnte meinen es sei ja nur ein positiver Stress. Dem ist leider nicht so. Vor fünf Wochen, als ich mich über die neue Wohnung sehr freute, die ersten drei Nächte darin verbracht habe und Abends darauf anstoßen wollte, bekam ich eine Reihe von Anrufen – von einer Kollegin und Freundin und meinem Chef, obwohl ich noch im Urlaub war. Kurzum, die schlimmsten Befürchtungen sind wahr geworden und die Kooperationsuniversität hat den Vertrag gekündigt. Dies hat zur Folge, dass meine berufliche Zukunft mit 30.09.2019 völlig offen ist. Dahinter stehen die Themen Existenzsicherheit und – noch schwerwiegender – Telearbeitsplatz, d.h. ob die zukünftige Arbeit von zu Hause aus möglich ist. Viele, viele Fragen erheben sich und wenig angenehme Gespräche mit den Rektoraten, dem Betriebsrat, meinem Bekannten – dem aufs Arbeitsrecht spezialisierten Juristen. Es geht mitunter auch um den Umgang mit Emotionen, wie Angst und ziemliche Traurigkeit über den Abschied (nicht nur auf beruflicher Ebene) von etwas, das ich mit großem Engagement mitaufgebaut habe. Ich musste mich phasenweise verbiegen, was mir extrem schwer fällt, und mir ein Geschwafel anhören – ein Potpourri aus inhaltsleeren Versprechungen, aus Schönredereien, mitunter sogar aus Unwahrheiten, die kaum gesagt schon wieder enttarnt sind. Die Funken der Hoffnung entzünden sich nicht so richtig, was den Verbleib in der jetzigen Arbeit anbelangt. Einiges ist mir unerträglich. Als hochsensible Frau nehme ich die ganze Energie im gefühlten Bruchteil einer Sekunde wahr und bringe sie schwer wieder raus. Nach einem Gespräch war mir tagelang kotzübel nach einem anderen übersah ich einen Pfosten und lag am Boden (vor dem Vizerektor und meinen KollegInnen, wie passend) und eine Woche darauf, d.h. letztes Wochenende, habe ich nochmals den Boden unsanft berührt und nun einen gebrochenen Finger. Jetzt ist Ruhe, im Sinne von „ es ist genug“, aber auch in mir und Zeit für wieder mehr Achtsamkeit. Meine Ohren bleiben bei alldem stabil – so habe ich eine unveränderte Hörfähigkeit und bin MM-anfallsfrei. DANKE liebe Ohren! Offen „gesprochen“ wundert mich das. Mir kommt eine Bloggerin in den Sinn, die meint, dass sie immer dann mit den Ohren reagierte, wenn ihr der Ausschluss aus sozialen Gemeinschaften drohte. Ich weiß von mir, dass ich mitunter im Nachhinein reagiert habe, dann wenn eine Hürde überwunden war .. wie gut, dass ich derzeit eine Dauerhürdenläuferin bin. Mittlerweile sind einige Wochen seit der bedrohlichen Nachricht vergangen und meine Gedanken kreisen nicht mehr nur um das Thema berufliche Zukunft, Existenzsicherung. Geerdet bin ich ja wohl auch wieder ;). Ich lenke meine Aufmerksamkeit lieber und wohl besser auf Stärkendes: Da sind das Vertrauen, dass ich auch immer wieder viel Glück im Unglück in meinem bisherigen Leben hatte, die Zeit, die ich noch habe bis diese Arbeit beendet ist, die Hoffnung, dass sich eine neue Türe öffnet, wenn sich eine schließt und der Meniere im Hintergrund bleibt (!!! Das ist unsagbar wichtig!), das Wissen, die Erfahrung, dass ich mit wenig Leben, d.h. meine Ausgaben minimieren, kann, der Background einer guten Ausbildung, Mitgefühl mit mir selber, ein meditationsähnlicher Satz, Freundinnen, … Das ist eine Menge!

Stufen

Wie jede Blüte welkt und jede Jugend Dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe, Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend Zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern. Es muß das Herz bei jedem Lebensrufe Bereit zum Abschied sein und Neubeginne, Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern In andre, neue Bindungen zu geben. Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben. Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten, An keinem wie an einer Heimat hängen, Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen, Er will uns Stuf´ um Stufe heben, weiten. Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise Und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen; Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise, Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen. Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde Uns neuen Räumen jung entgegen senden, Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden, Wohlan denn Herz, nimm Abschied und gesunde! (Hermann Hesse)
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5 Kommentare zu „„Wohlan denn HERZ, nimm Abschied und gesunde!“

  1. liebe susanne, eines meiner lieblingsgedichte…
    „An keinem wie an einer Heimat hängen“ trifft dich wohl nun nicht nur räumlich sondern auch beruflich… möge deine neue Wahlheimat dir ein Zuhause werden und dir vielleicht auch neue berufliche Perspektiven auftun. Das Universum oder welche gute Macht auch immer wird da schon was zur Verfügung stellen. 🙂 Sei lieb gegrüßt aus Linz! Katharina

      1. Liebe Susanne,
        schön, dass du deinen Umzug vollendet hast und ich wünsche dir
        ein gutes Ankommen und einen glücklichen Neubeginn….
        ganz im Sinne von Hermann Hesse „SPUFEN“!

        Seine Spuren können wir hier direkt nachvollziehen, in Calw geboren,
        im Kloster Maulbronn aufgewachsen, ich schätze ihn auch sehr!

        Liebe Grüße in die Steiermark
        Gisela aus Pforzheim

      2. Hallo liebe Gisela aus Pforzheim :);
        ich habe gerade mal nach dem mir weniger bekannten Pforzheim gegoogelt.Da habt ihr ein paar schöne Plätze.
        Danke für deine lieben Worte. Du hast ja vor geraumer Zeit mal geschrieben, dass ich den Umzug sicher schaffen werde. Das hat mir gut getan und du hast recht :)!
        Sollte ich in meinem Leben mal Richtung Calw kommen, dann werde ich mir das Hesse-Museum gewiss ansehen.
        Einen lieben Gruß zu dir
        Susanne

  2. Hallo Susanne,
    „Sollte ich in meinem Leben mal nach Calw kommen….“
    dann wärst du auf jeden Fall bei uns als Gast willkommen und ich könnte dir noch mehr vom nördlichen Schwarzwald zeigen!

    Mein Hörproblem ist nur größer geworden, das 2. Ohr auch überaus geräuschanfällig, und wenn es irgendwo zu laut ist, „schwindel “ ich oder bekomme Herz-kreislaufbeschwerden!

    Gott sei Dank wohnen wir ruhig und im Wald geht es mir am besten!
    Unser “ Mathegenie“ studiert jetzt mal Wirtschaftsmathematik!!!
    Liebe Grüße in die Steiermark

    Gisela

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