Susannes Blog

Macht

Er hat sie immer noch diese Macht.

Die frisch aufgetragene Farbe in den Haaren, ein kurzes Spiel während des Einwirkens spielend, kam er, aus dem Nichts oder dem Hinterhalt. Der Schwindel, der in sekundenschnelle alles Gewesene (und hier an vielen Stellen beschriebene) wieder ans Licht holt und mich ein Stoßgebet in den Himmel schicken lässt. Bitte, bitte nicht.

Gerade heute, beim Einräumen des gekauften Medikamentenschranks haben „wir“ die 2017 abgelaufenen Schwindelmedikamente weg geschmissen, Vertirosan Zapferln, Tropfen, Tabletten – in der schlimmsten Menière-Zeit, fühlte ich mich sicherer alle drei Einnahmeformen in der Nähe zu haben, um die Übelkeit, das Erbrechen, den Schwindel zu lindern, vermutlich weil sie so stark sedierend in mir wirkten. Ich hatte das Gefühl, dass ich mir zumindest eine Tablette noch behalten sollte, zur Sicherheit, um im Notfall einen unerträglichen Zustand ein wenig erträglicher zu machen. Als ich diesen Gedanken aussprechen wollte hörte ich ein fröhliches: „Ich habe alle entsorgt“ und ließ ihn wieder fallen. Mein Kopf meinte ja auch, dass ich sie – das Verfallsdatum überschritten oder nicht – derzeit nicht mehr brauche. Ich schwieg. Wir haben damals beide viel mitgemacht und ich lasse die Gedanken daran gerne in der Vergangenheit ruhen und möchte der Leichtigkeit und Hoffnung des Augenblicks Raum geben.

Im Moment, in dem sich der Schwindel erhebt, wird mir heiß und und ich bekomme Angst. In der Hoffnung, dass der Schwindel mit einem zu hohen Blutdruck zusammen hängt, bitte ich ums Blutdruckmessgerät und checke nicht, dass er mit der Aufregung verbunden ja nur hoch sein kann.

Der Schwindel verändert sich nicht in Richtung massiver Drehschwindel, er wird wieder schwächer, ich versuche mich abzulenken und wir spielen weiter.

Später lese ich den Text AUCH DAS IST LEBEN von Giannina Wedde, ein Auszug aus ihrem Buch: „In deiner Weite lass mich Atem holen“. Er ist – wie so viele Texte von ihr – wunderschön. Beim Satz:

„Dass Du überrascht wirst von der Krankheit Deines Körpers, der eben noch unverwundbar schien.“

bekomme ich Angst um mein Restgehör, sollte der Menière einen weiteren, dritten Schub starten. Bitte, ich möchte gesund bleiben! Zu viel der Verwundbarkeit meines Körpers wurde mir bereits vor Augen geführt. Zu dem Emotionsgewirr kommt mir noch meine eigene Krebsverdachtsgeschichte dieses Jahres hoch und ich merke, dass es eindeutig genug der Aufregung, der Emotionen ist.

(…) „Und ich wünsche Dir, dass Du geduldig bist in all diesen Dingen, dass Du Dich nicht an die Hoffnung auf einen fernen Tag verschwendest, an dem alle losen Fäden verknüpft und alle Stürme gestillt sein werden.

Stets möge der Segen Dich finden, der aus der Herzmitte alles Irdischen aufsteigt und sagt: Auch das. Auch das ist Leben.“

Nach dem zu Ende Lesen hat mich nicht der Segen des Annehmens gefunden, sondern vielmehr der Segen der Erkenntnis. Ich hatte in der Früh einen Migräneanfall und kurz nach dem Schwindel einen weiteren. Dahin gehört er, der Schwindel, der mächtige Geselle. Mein Gott, wie bin ich dankbar!

6 Kommentare zu „Macht

  1. Hallo liebe Susanne,

    auch ich quäle mich öfters mit dieser Angst herum. Es ist jetzt reichlich ein Jahr her, dass ich im Fitnesscenter vor vielen Augen den Tumarkinanfall hatte und zu Boden stürzte. Wenn ich diesen Raum betrete, habe ich selbst nach der langen Zeit immer wieder das Gefühl des Unbehagens. Aber auch manchmal, wenn ich allein unterwegs bin, schleicht sich das Gefühl der Angst an mich heran. Ganz ablegen kann ich es bis heute nicht, selbst wenn ich mir gut zu rede. Ich weiss, dass es mir besser gehen würde, wenn ich es so hinnehmen würde wie es ist! Aber dagegen sträubt sich meine Medalität. Noch ein gesundes neues Jahr und alles Gute wünschend

    verbleibt Monika

    1. Hallo liebe Monika,
      ich verstehe dich mit dem Gefühl des Unbehagens. Das hatte ich auch an der Stelle der Tumarkinattacke. Zwischenzeitlich bin ich ja umgezogen. Das erfreuliche und aufbauende ist, dass sie bei uns beiden schon lange aus ist! Was genau meinst du mit dem Sträuben deiner Medialität?
      Auch für dich ein gesundes Jahr mit vielen guten und freudvollen Momenten, liebe Monika.
      Susanne

  2. Hallo liebe Susanne,
    gerade komme ich von einem Spaziergang mit „5“, das ist der Hund von
    Josephine,und mache den PC auf und lese deinen Beitrag!

    Gott sein Dank ist der Schwindel gut ausgegangen und du hast ihn richtig eingeordnet, wenn man weiß, woher es kommt, wird man schon sicherer!

    Aber ich muss einfach immer wieder feststellen „wie sich die Bilder gleichen“
    Ich hatte 25 Jahre grausame Migräneanfälle bis zur Menopause!
    Und jetzt kämpfe ich schon 10 Jahre gegen die HAK und TT,
    und ganz gegen die Lehrmeinung von Herrn Prof.Goebel „Irgendwann legt sich das“!! Meine Anfälle und Attacken sind derzeit stabil!

    Das wünsche ich dir und anderen Betroffenen auch:
    „Loslassen, nicht daran denken, in die Ecke stellen“!

    Sei herzlich gegrüßt
    Gisela

    1. Hallo liebe Gisela,
      danke für dein Mitgefühl und deine Wünsche an uns alle 😘🤗.

      Ja das Einordnen des Schwindels hat mir den ganzen Stress wieder genommen.
      Ich finde es interessant, dass deine Migräne mit der Menopause weg war. Das war bei meiner Tante auch so. Bei mir ist sie weniger geworden, aber weg ist sie leider noch nicht.
      Ich freue mich sehr mit dir, dass deine Anfälle und Attacken stabil sind, Gisela.

      Herzliche Grüße zu dir
      Susanne

  3. Hallo liebe Susanne,
    ich wollte Mendalität schreiben und meine damit, dass in den vielen Jahren der Krankheit sich mein Wesen verändert hat. Meine lebensfrohe Art ist mir irgendwann zu einem großen Teil abhanden gekommen. Ich versuche positiv zu denken, doch das fällt mir an manchen Tagen etwas schwer. Selbst jetzt in der schwindelfreien Zeit (Gott sei Dank!) werde ich durch die ständigen Öhrgeräusche und den Druck auf dem Ohr immer daran erinnert. Ich bin etwas sensibler und empfindlicher auf unpassende Äußerungen geworden und zum anderen steht die Angst im Hintergrund, wenn sich ein Symptom verstärkt bzw. wenn mir durch die Halswirbelsäule ein Ziehen im Hinterkopf Beschwerden bereitet. Herzliche Grüße
    Monika

    1. Hallo liebe Monika,
      verzeihe bitte meine späte Antwort.
      Ja ich kann dich in allem sehr gut verstehen. Auch mir sagt man, dass ich mitunter früher fröhlicher war. Das Leben hat uns halt schon so einiges Unschönes gezeigt, ich finde vor allem der MM und dann noch Tumarkin-Attacke(n) sind die schlimmsten körperlichen Erfahrungen, die ich machen musste, und ich habe schon einiges erlebt in meinen 50 Jahren. Diese fröhliche Unbeschwertheit ist dadurch weniger geworden, kommt aber mitunter auch wieder vermehrt durch. Ich hoffe sehr, dass es auch bei dir vermehrt wieder Tage gibt, an denen du lebensfroh bist. Mir helfen da das bewusste Wahrnehmen des gegenwärtigen Augenblicks und der (sich auch daraus ergebenden) Dankbarkeit dafür – vor allem bei Begegnungen mit anderen Menschen.
      Sei mir lieb umarmt
      Susanne

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