Susannes Blog

Arzttrauma

In drei Monaten werde ich zwei Jahre in der Steiermark leben.

Mein Ohr hat seit langem wieder ein wenig Schwankungen. Mitunter fühle ich etwas Druck oder nehme eine leichte Hörverschlechterung wahr. Ich denke mir, ich sollte einen neuen Ohrenarzt hier vor Ort oder eine Ohrenärztin suchen. Es wird wohl noch eine Weile dauern, bis ich es tatsächlich tue. Da müsste sich der Bedarf schon deutlicher zeigen, denn seit der OP im letzten Jahr habe ich ein ziemliches Thema mit ÄrztInnen. Es reicht der Gedanke an sie und die Tränen fließen. Dummerweise wird mein Unbehagen unbeachtet zunehmend mehr und nicht weniger.

So stand ich im letzten Jahr in der Ordination meiner langjährigen Gynäkologin in Linz und sagte ihr, dass ich seit der OP nicht mehr kommen mag, damals noch überraschenderweise heulte ich dabei und war froh, ein ganzes Jahr bis zum nächsten Termin zuwarten zu können.

Zahnschmerzen trieben mich während der Zeit des Lockdowns zu einem neuen Zahnarzt. Ich hatte schon im Wartezimmer Tränen in den Augen. Im Behandlungszimmer auf dem Stuhl saß ich angespannt, wie ein Drahtseil, konnte aber die Contenance bewahren. Angenehmerweise war der Zahnarzt besonders nett.

In die örtliche und weit über die Grenzen Österreichs bekannte Schilddrüsenambulanz schaffte ich es auch, mit Tränen in den Augen im dunklen Gang des Wartebereichs und einem Sehnen, wieder die Türe von Außen schließen zu können. Der Termin ging relativ gut über die Bühne. 
Allerdings mache ich schon wieder die Augen zu und überlege nicht, ob ich nun die nahe gelegte Punktion machen lasse oder nicht und beim Gedanken die empfohlenen Hormone für die Schilddrüse zu nehmen, bekomme ich einen riesengroßen Stress, meinen sich im Ungleichgewicht befindlichen Körper mit weiteren Hormonen zu belasten.

Den Termin beim neuen Internisten im Nachbarort zum Zuckerbelastungstest habe ich gleich völlig verdrängt, trotz Hinweis meiner Freundin. Ich war davon überzeugt, dass er wegen Corona ins Wasser fiel, was nicht stimmte, denn interessanterweise habe ich ihn dann doch am Tag nach dem Termin im Kalender gefunden. Anzurufen und mich zu entschuldigen, was mein Anstand mir flüstert und einen neuen Termin auszumachen, will ich nicht. Der Arzt ist mir zudem auch beim ersten Termin unangenehm gewesen, indem er mir in einem unfreundlichen Tonfall schon mit Zuckertabletten gedroht hat und mein Zielgewicht habe ich auch nicht erreicht. Wenigstens messe ich mir alle zwei Monate Mal meinen Zucker.

Nächste Woche will ich es zumindest zum Hausarzt zur Zecken Impfung. Auch das fällt mir nicht leicht und schon wieder kullert eine Träne die Wange herunter…..

Eigenartig diese Veränderungen in mir. So kenne ich mich nicht. Ich war immer sehr stark und mutig und bis zum Meniere-Ausbruch ziemlich angst“frei“. Letztens las ich, dass im Wechsel die Traumata der Vergangenheit mitunter massiver ins Licht rücken und beachtet werden wollen. Die beschriebenen Auswirkungen des Traumatas haben mich unter großem Druck, mit großer Angst zu sterben, sozialer und meines Erachtens im Nachhinein gesehen auch fachlicher Inkompetenz der Ärztin in den Wechsel katapultiert.

Die Suche nach einem/einer neuen HNO-Arzt/Ärztin vertage ich wohl noch.

5 Kommentare zu „Arzttrauma

  1. Liebe Susanne!
    Das Ärztetrauma belastet mich auch im selben Maß wie dich. Mir graut es mehr vom impfen. Mein Sohn hatte nach den ersten Impfungen eine Epilepsie entwickelt. Daher musste er aufgrund weiterer Krankheiten die aufgrund der Behandlung entstanden sind für fast 2 Monate in die Klinik (Intensivstation). Ganz ehrlich jedesmal wenn ich etwas über impfen höre zieht sich mein Innerstes zusammen. Hoffe das wird sich irgendwann ändern. Bei mir steht demnächst die Operation meiner Cochlea Implantate an. Hoffe das geht vorüber und ich beginne besser zu hören. Verstehe oft falsch oder gar nichts. Dir wünsche ich weiterhin alles gute und ganz viel Kraft. GlG Monika

    1. Hallo liebe Monika,
      schön von dir zu lesen. Die Sorge um deinen Sohn in der Zeit – die ist mit Sicherheit unvorstellbar schlimm gewesen. Da ist es kein Wunder, dass es dir so geht. Ich befürchte ohne Zutun ändert sich da wenig. Es ist halt immer eine Sache des Leidensdrucks, ob man aktiv wird. Die Jahre bewirken ja auch ein wenig. Ich für meinen Teil weiß, dass ich da mal begleitet hinsehen sollte, werde, muss….
      Alles Gute für deine Operation. Chochlea Implantante sind ein großer Schritt. Ich wünsche dir auch viel Geduld in der Umstellungsphase. In welchem Krankenhaus wirst du operiert und lässt du dir die Chochlea Implantante hintereinander oder beide auf einmal machen?
      Sei mir lieb gegrüßt
      Susanne

  2. Hallo liebe Susanne,

    nach langer Zeit und zu diesem Thema muss ich mich melden:

    mein Mann und ich haben dieses Jahr ein gesundheitlich schlechtes Jahr:
    nach einer 1/2 jährigen Suche nach einer Diagnose für meinen Mann,
    von Hausarzt zu Radiologen mehrfach, Orthopäden verschiedene, hat man ihm endlich helfen können, nachdem ich und meine Tochter auf einer bestimmten
    Laboruntersuchung insistiert hatten!

    Ich leide nach wie vor unter meiner HYPERAKUSIS, das überlaute Hören hat jetzt mein Herz erreicht und aus dem Takt gebracht:
    2 mal 1 Woche in der Kardiologie, eine einzige stressige Durchreiche!

    Wenn du hier nicht Privat- oder zusatzversichert bist,
    hast du u.U: einen langen Leidensweg vor dir!
    Mittlerweile sind Arzttermine auch ein Horror, für uns!

    Gute Besserung an alle irgendwie Betroffenen,
    Grüße GL

    1. Hallo liebe Gisela,
      es tut mir leid, dass ihr weitere gesundheitliche Herausforderungen habt. Ich könnte mir schönere für euch vorstellen.
      Danke für deine Rückmeldung zur Zusatzversicherung. Sie hat mich nun dazu veranlasst, eine Mail an den Versicherungsvertreter der UNI-Gruppenversicherung zu schreiben. Vielleicht sollte ich das Angebot doch in Anspruch nehmen, zumal ich auch wegen meinem Fuß einen Spezialisten aufsuchen sollte. Sollte, sollte, sollte… mal sehen, was ich davon umsetze ;).
      Alles Liebe dir und deinem Mann und ich denke an euch
      Susanne

  3. Hallo liebe Susanne,
    auch ich kann zum Thema Arzttrauma mitreden und je älter ich werde, wird dies nicht gerade besser.
    Bei manchen Arztbesuchen kommt eine gewisse Angst hoch, der Blutdruck und meine innerliche Anspannung steigt.
    Nach den vielen Jahren mit Morbus Meniere habe ich oft weniger gute Erfahrungen mit den Ärzten gemacht. Ich habe über Jahre Tabletten geschluckt und mehrfach Infusionen bekommen, die ich teils teuer bezahlt habe. Heute stelle ich mir die Frage: „Was haben sie wirklich gebracht? Habe ich nur das Konto mancher Ärzte erhöht?“
    Ich versuche jetzt alternativ und mit viel Bewegung sowie Sport weiterzukommen.
    Sei lieb gegrüßt
    Monika

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s